Himmel mit Palmen und Sternen – Lachender Bach - Himmelpflücken - Gedicht

Himmelplfücken

Wie wirklich ist Wirklichkeit?

Ich glaube nur, was ich sehe“ scheint eine nüchterne Sicht der Welt zu sein. Sieht man allerdings genauer hin, so stellt man fest, dass vieles von dem, was ich so sehe, nur ein Konstrukt ist. Das jedenfalls können wir aus den Beobachtungen der Wissenschaft lernen, und es gilt auf vielen Ebenen.

Aber das heißt ja nicht, das meine Wirklichkeit keinen Charme hat. Immer wieder gibt es Momente, in denen sie mich tief berührt und mir damit ein bisschen sowas wie eine neue Richtung gibt. Und wie passt das jetzt alles zusammen? Hör dir doch einfach mal das Gedicht dieser Episode an …

Kapitel:

  • 00:00:00 Intro
  • 00:00:26 Himmelpflücken – Solo
  • 00:01:39 Was man so Wirklichkeit nennt
  • 00:08:50 Himmelpflücken (Remix)
  • 00:13:28 Outro

Transkription

Himmelpflücken

Der Wind hat mir einen Stern zugeweht
Wie er glitzert im dichten Laub der Bäume
In mir strahlt’s und leuchtet

Milliarden Jahre scheinen
Am schwarzen Firmament
Die Zeit ist eingefangen
In diesem Sternenbild

All das wird und wurde
Wie ich schaue jetzt
Der Moment geronnen
Ganz wie mein Vers und Text

©️ Lachender Bach/Peter Müller 2026

Was man so Wirklichkeit nennt

Kennst du diese Redewendung vom „harten Boden der Wirklichkeit“? Die bekam ich als Kind und Jugendlicher immer wieder zu hören, wenn ich all zu tiefgreifende Fragen gestellt hatte oder meiner Phantasie vermeintlich zu weiten Lauf gelassen hatte. Der harte Boden der Wirklichkeit ist der große Klatsche, mit der wir gerne mal wieder eingenordet werden. 

Dabei ist das mit der Wirklichkeit so eine Sache. Wie uns die Wissenschaft sagt, ist das, was wir als Wirklichkeit verstehen, ein Konstrukt. Wir hören nur in einem engen Frequenzbereich, wir sehen einen Großteil des Lichtspektrums gar nicht. Unser Bewusstsein konstruiert ständig ein inneres Bild aus diesem kleinen Ausschnitt dessen, was da alles im Universum läuft und erschafft daraus unsere Wirklichkeit. Die Neurowissenschaft sagt, dass unser bewusstes Denken etwa 50 bis 200 Bit pro Sekunde verarbeiten kann. Nur mal zum Vergleich: ein modernes Handy verarbeitet etwa 80 Milliarden Bit pro Sekunde. Da kann man sich schon wundern, wie wir mit unseren 200 Bit überhaupt in der Lage sind, in der Welt zu funktionieren.

Damit das geht, arbeitet unser Gehirn mit vielen smarten Tricks, die die Datenmenge reduzieren. Und damit wird klar, wie viel Interpretation eigentlich in unserem Bild der Wirklichkeit steckt. Ist ja auch ein interessantes Wort, Wirklichkeit. Darin steckt das germanische Wort wurkijan. Es bedeutet: etwas machen oder herstellen. In die deutsche Sprache gelangte der Begriff Wirklichkeit übrigens im Hochmittelalter durch den Mystiker Meister Eckart, dem wir auch andere Begriffe wie etwa die Gelassenheit oder Bildung verdanken. Ich bin immer wieder fasziniert von der Weisheit und dem tiefgründigen Wissen, das in unserer Sprache steckt. Was sie Wirklichkeit angeht, verrät uns diese Wortwurzel: Wir wirken die Wirklichkeit, wir stellen sie her. Was ja genau den Erkenntnissen der modernen Neurowissenschaft entspricht. 

Und so nebenbei – es lohnt sich mal darüber nachzudenken, wie ein Mensch im vermeintlich dunklen Mittelalter zu solchen Einsichten gelangen kann, ganz ohne Computer- und Medizintechnologie. Darauf geh ich jetzt nicht weiter ein, aber auch das ist ein Pfad, der dich in Perspektiven führen kann, die die Wirklichkeit anders aussehen lassen.

Aber mal wieder zurück zu unseren Begrenztheiten als Menschen. Vieles von dem, was wir wahrnehmen können, ist ebenfalls völlig subjektiv. So ist beispielsweise unsere Erdoberfläche ständig in Bewegung. Nur geschieht das in so langen Zeiträumen und unsere Lebenszeit und Aufmerksamkeitsspanne ist so kurz, dass wir einen Berg oder eine Küstenlinie als etwas festes, unverrückbares wahrnehmen. Die Alpen beispielsweise sind ein wachsendes Gebirge – so eineinhalb bis zwei Millimeter pro Jahr. Oder mal umgerechnet: ungefähr 1,5 bis knapp 2 Kilometern pro Million Jahre. Aber natürlich gibt es auch die Erosion, die die Berge wieder abträgt und die meist ähnlich langsam verläuft. Würde man das in einem Superzeitraffer ansehen, dann türmen sich Berge auf und erodieren gleichzeitig wieder weg, so im Lauf der Millionen Jahre. Wir aber nehmen wie in einem Stroboskop nur ein kurzes Bild wahr, einen unglaublich kurzen Schnappschuss, und halten das für die ganze Realität.

Und ganz ähnlich ist es mit dem Sternenhimmel. Das Licht der Sonne braucht 8 Minuten, bis es hier auf der Erde ankommt. Selbst beim Mond sind es 1,3 Sekunden. Und noch krasser wird es bei den Sternen, die wir als Punkte am Himmel sehen. Allein unsere Milchstraße hat einen Durchmesser von 100 bis 120.000 Lichtjahren. Das heißt, wenn du die Milchstraße am Himmel siehst, dann ist das ein Bild, das Tausende von Jahren alt ist. Manche Sterne – also Lichtpunkte am Himmel – sind gar keine Sterne, sondern Galaxien oder Galaxienhaufen, Millionen oder Milliarden von Lichtjahren entfernt. Der flache schwarze Nachthimmel mit seinen weißen Punkten ist also eine Illusion, wir sehen vermutlich einige Sterne, die es schon seit vielen Tausend Jahren nicht mehr gibt.

Und doch ist das unsere Wirklichkeit. Wenn du dir jetzt die Frage stellst: Ja, aber was ist denn dann eigentlich Wirklichkeit?, dann bist du schon auf einer guten Spur. Unverkennbar Wirklichkeit ist, dass du mich jetzt hier gerade über Wirklichkeit sprechen hörst. Und unverkennbar Wirklichkeit ist, dass du gerade darüber nachdenkst. Ist es nicht unglaublich, was für eine Welt da in dir entsteht?

Outro:

Diese Episode geht zu Ende, vielleicht inspiriert sie dich ja mal zu einem Spaziergang unter den Sternen – das ist ein Vergnügen, das sich nie abnützt. 

Ich sag jedenfalls Danke fürs Zuhören und Dabeisein. Empfiehl mich weiter, wenn’s dir gefallen hat, und wenn wir schon bei den Sternen sind, lass ein paar Sternchen, Daumen oder was immer auf Deiner Plattform da geht. 

Mein Name ist Lachender Bach, ich bin ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer. Danke fürs Dabeisein, und – lass es fließen im wilden Strom des Lebens.

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