Immer Wasser - Gedicht - Lachender Bach - Schwan schwimmt über einem Wasserfall
| |

Immer Wasser

Das Leben fließt

Ohne Wasser würdest du dieses Zeilen nicht lesen – Wasser ist eine grundlegende Voraussetzung für das Leben auf der Erde. Und es ist ein Bild für das Fließende im Universum, also diese sich immer verändernde Natur der Wirklichkeit. 

Das Zusammenspiel von Form und Wandel wird auch als Yin und Yang bezeichnet, und darin gibt’s eine Menge zu entdecken und zu lernen.

Kapitel:

  • 00:00:00 Intro
  • 00:00:26 Immer Wasser – Solo
  • 00:02:53 Was Yin und Yang übers Leben lehrt
  • 00:14:07 Immer Wasser (Remix)
  • 00:16:58 Outro

Transkription

Immer Wasser

Wasser wenn wir weinen
Wenn wir essen
Wenn wir trinken
Löse lieber Gaumen
Schmeichel Speichel
Laufe Lebenskraft

Wasser wenn wir müssen
Wir entlassen
uns erleichtern

Wasser wenn wir küssen
uns zum Fließen bringen
klingen
über glatte Steine singen
lecker leckt dein süßer Bach
Ach
Wasser wenn ich mit dir
unsre Kinder mach

Wasser wenn der Regen kommt
Schwere Tropfen
Volle Rinnen
Wenn er wäscht
Und wenn er pocht
Alles lässt zerrinnen
Rätselhafter Lebenstropf

Kommst zu mir
und gehst zu andern
ständig ein und aus
zu wandern
Ohne dich
denke ich nicht

Wasser wenn wir
Leben weben
von den Sternen
kam es her

Wasser der Erfasser
der Erbauer
der Erhalter
der Zerstörer
wo du nicht bist
gibt es mich nicht

©️ Lachender Bach/Peter Müller 2025

Was Yin und Yang übers Leben lehrt

Die grundlegende Struktur der Wirklichkeit ist das weibliche und das männliche Prinzip, Yin und Yang. Im östlichen Raum als Shiva und Shakti bekannt, im jüdisch-christlichen Raum als männlicher Schöpfergott und weibliche Ruach, die wir als heiliger Geist kennen, in der Quantenphysik als der Tanz zwischen Welle und Teilchen, in dem die Wirklichkeit erscheint, in der wir leben. Das männliche, formgebende Prinzip, in dem das weibliche, fließende Prinzip präsent ist. Das Formgebende schöpft den Stoff aus dem Formlosen und formt daraus. Darin wiederum, also im Geformten, fließt das Yin, der Odem des Lebens, der in allem fließt und aus dem das Leben kommt. Nicht das eine oder das andere, beides zusammen.

Die Idee, oder besser gesagt, Beobachtung des Yin und Yang beschreibt eine fundamentale Einsicht über die Natur unserer Welt – also des gesamten Universums. Sie ist aber auch für unsere menschliche Entwicklung relevant und könnte Antworten für die tiefe Krise enthalten, in der wir als Spezies aktuell stecken.

Zwei Perspektiven können dabei helfen, den universellen Charakter von Yin und Yang zu verstehen.

Zum einen wissen wir aus der Physik, dass alles in unserem Universum Schwingung ist. What goes up must come down. Das gilt auf subatomarer Ebene ebenso wie für das materielle Universum unserer Erfahrungswelt. Alles ist in ständiger Bewegung, auch wenn sich Dinge wie sich formende Planeten, driftende Kontinente und sich auftürmende und wieder erodierende Berge in Zeiträumen bewegen, die für uns als Menschen nur schwer nachzuvollziehen sind. Schließlich war die Zugspitze doch schon immer da. 

Das heißt, Dinge werden geformt und erscheinen, verlieren dann aber ihre Form wieder und verschwinden. Ihre Energie und Substanz wird dabei zu etwas anderem geformt. Das gilt auf astronomischer Ebene, aber genauso auf biologischer. Der Boden, auf dem wir unsere Lebensmittel anbauen, besteht aus den Überresten von kompostiertem früheren Leben – Pflanzen, Tiere, Pilze, Mikroorganismen. Aus dieser formlosen Yin-Essenz gibt es eine Dynamik hin zum Entstehen von Formen, dem Yang. Daraus entsteht ständige Bewegung. Dieses Yang wird geformt durch Kraft, Gedanken oder Prinzipien. Schließlich aber wird es wieder entformt, das heißt, die arrangierte Form wird wieder aufgelöst. Das kann man ebenfalls als eine Art von Schwingung betrachten, eine Aufwärtsbewegung – also Yang – und Abwärtsbewegung, Yin. 

Zum anderen gilt diese Idee von aufsteigend und absteigend auch für nicht-materielle Aspekte unseres Universums. In der grundlegendsten Form, der Welle, schwingt diese auf und ab. Die Auf- und Ab-Bewegung definiert ihre Natur. Das Gleiche gilt aber auch für unser menschliches Erleben. Jeder Gedanke beispielsweise hat eine Zeit, in der er nicht existiert, dann steigt er auf, und irgendwann endet er uns existiert nicht mehr. Die Vergänglichkeit aller Dinge ist ein fundamentales Prinzip. Und das gilt ebenfalls für die Energien und Bedingungen, die zu seiner Existenz und seinem Vergehen geführt haben. Das Prinzip existiert also auch auf einer Metaebene, und so weiter.

Als Menschen können wir enorm davon profitieren, wenn wir uns dieser Natur der Wirklichkeit bewusst werden. In der westlichen Welt sind wir sehr von der Idee von Fortschritt und Wachstum besessen, also der Yang-Seite der Dinge. Damit war es uns möglich, eindrucksvolle Dinge zu tun, wie etwa durch die Luft fliegen, Menschen auf den Mond zu schicken, unglaublich starke Maschinen zu bauen usw. Das hat aber auch zum Klimawandel geführt, zur Plastikverschmutzung, zu einer Welt voller Kriege – schau dir mal genau an, warum Kriege geführt werden; es geht sehr häufig um die Ambition, also Yang, einer Gruppe, die an der Macht – also im Yang – ist.

Die Yin-Seite der Dinge ist ein weniger bekanntes Prinzip, ein unbekanntere Art und Weise, im Leben zu sein. Sie lehrt uns, das nichts von Dauer ist – aus der Geschichte etwa wissen wir, dass alle Reiche vergehen. Das Yin ist in der Stille, im Ausatmen, in der Ruhe, in jeder Pause, im Noch-Nicht. Es ist der offene Raum, in dem sich die Dinge entfalten können.

Wenn ich das verstanden habe, kenne ich seine Kraft. Denn Yin zieht Yang an. Wie mir eine Freundin mal gesagt hat, die in München erfolgreiche Event-Locations betreibt: „Schaffe einen Raum und er füllt sich.“ Das gilt auch für die Entwicklung der Persönlichkeit. Das Ende von etwas schafft den offenen Raum für das Entstehen von Neuem. Alle meditativen Praktiken führen zum Bewusstsein dieses Raums, in dem sich die ganze Yang-Performance abspielt. 

Bewusstheit bedeutet Freiheit. Werde ich mir also des Yin bewusst, entsteht eine Freiheit der Bewegung, eine Bewegungsfreiheit, in der ich zulassen kann, dass sich Dinge entwickeln und entstehen und schließlich wieder vergehen oder sich wandeln. In dieser Freiheit ist es möglich,  Dinge ins Leben zu bringen oder mich zu entschließen, etwas zu tun – oder nicht zu tun.

Es geht bei Yin und Yang nicht um die „richtige“ Seite, also zu entscheiden, welche davon besser ist. Es geht um das Sowohl-als-auch, und so hilft es mir dabei, ein Gleichgewicht im Leben zu finden. Ich kann darin beispielsweise ein Bewusstsein über Kairos-Momente entwickeln, also über die „rechte Zeit“, etwas zu tun. Weil ich in diese Yin-und-Yang-Qualität hineinspür. Es kann mir helfen, loszulassen, wenn Dinge ihre Zeit hatten; Verluste zu akzeptieren. Es kann mir bewusst machen, wie kostbar der Moment ist und mich inspirieren, voll präsent zu sein, so lange er da ist. Es kann mich zur Gelassenheit führen – das ist nichts Passives oder Schläfriges, sondern ein entspanntes, nicht anhaftendes Präsentsein und Mitfließen mit der sich ständig wandelnden Natur des Lebens.

Wasser ist schon jeher ein Bild für die fließende Natur aller Dinge. Und ist es nicht faszinierend, so von einem materialistischen, besitzenden, habenden Gesichtspunkt aus, dass es dieses unstete, ständig Fließende und Zerrinnende ist, das das Leben erst ermöglicht?

Outro:

Und schon ist auch diese Episode am Verfließen. Vielleicht aber klingt sie in dir ja noch ein Weilchen nach und hinterlässt ihre Spuren. Die kannst du übrigens auch hinterlassen, indem du diesen Podcast Freunden weiterempfiehlst oder einen Kommentar auf meiner Website lachenderbach.de hinterlässt oder auf der Plattform, auf der du ihn hörst. Das geht zum Beispiel auf Spotify oder YouTube. Und wenn du mir paar Sternchen als Bewertung verschenkst, freut und motiviert das nicht nur mich, sondern hilft auch anderen, den Podcast zu entdecken. Danke!

Diese Episode hat tatsächlich ihren Anfang in Brasilien genommen, wo gerade das Sacred Sensuality Retreat zu Ende ging. Zwar ist das Gedicht schon paar Jahre alt, aber meine Zeit da  an Bächen und Wasserfällen hat mich so betört und begeistert, dass dieser Text aus der Schublade und in die Podcast-Episode kam. Und ein Teil der Wassergeräusche im Remix stammt aus dieser sehr sehr schönen Landschaft hier. In diesem Retreat ging’s ums Lebendigsein mit allen Sinnen – und das wünsche ich auch dir.

Mein Name ist Lachender Bach, ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer  Danke fürs Dabeisein, und – lass es fließen im wilden Strom des Lebens.

Ähnliche Beiträge

  • | |

    Vollmondbesoffen

    Das Leben ist ein Angebot. Es lädt mich ein, es zu leben. Also so voll echt halt, nicht mit angezogener Handbremse und Sicherheitsnetz. Natürlich ist es ein guter Gedanke, Vorkehrungen zu treffen. Aber immer wieder öffnen sich Momente und Situationen, auf die ich mich einfach nur im Vertrauen einlassen kann – oder halt nicht.
    Dabei geht manches gut und anderes scheinbar nicht. Gerade darin aber erweist sich die ganze lebendige Fülle des Lebens. Die Vernunft ist ein guter Begleiter, aber oft genug wird sie ja auch zum kleinkarierten, ängstlichen Bremser. Leben allerdings kann man nur erleben, indem man sich drauf einlässt.

  • | |

    Feines

    Die Schönheit, so sagt man, liegt im Auge des Betrachters. Wie wunderbar es ist, wenn sie ganz unverhofft meine Bahn kreuzt. Oh, dieser großartige Moment, wenn ich von einer attraktiven Frau entflammt bin!
    Aber wie leicht verliere ich mich dann im Objekt der Begierde. Wenn ich aber so drüber nachdenke – Schönheit, Erotik, Sinnlichkeit entsteht immer zu allererst in meinem Inneren. Sie in mir wahrzunehmen ist eine Lebenskunst, eine Liebeskunst, die pure Lebenslust. Wenn ich sie lasse, kann sie mich tragen und ich muss mich nicht von ihr treiben lassen.

  • | | | | | |

    Scherben Splitter Magenbitter

    Eine Trennung verarbeiten kann krass hart sein. Denn Trennungsschmerz trifft mich im tiefsten Grund meines Herzens. Das Ende einer Beziehung reißt ein Loch in mein Leben und je nachdem wie die Sache gelaufen ist, kann das ein brutal großes sein.
    Wie kann ich mit diesem Herzschmerz umgehen? Liebeskummer verarbeiten fängt damit an, ihn erstmal zu fühlen – bewusst, in seiner fiesen Härte. Und dann stehe ich vor einer spannenden Entscheidung: Was tue ich mit diesem Schmerz? In diesem Gedicht gehts darum wie ich eine Trennung verarbeiten und danach weitergehen kann.

  • | | | |

    Funken

    Ich bin reines Bewusstsein und als solches mit allem verbunden. Auch wenn es vielleicht im Moment nicht populär ist, aber es gibt in dieser Hinsicht von den Religionen dieser Welt eine Menge zu lernen. Das bezieht sich nicht auf die nur allzu menschlichen und unheiligen Entgleisungen, die mit jeder Religion einhergehen, sondern eben auf die vielen Wege, die sie zu dem wirklich lebendigen Kern anbieten. Diese Wege wirklich in der Tiefe zu verstehen braucht aber einen veränderten, erweiterten Geist. Ich kann nicht der bleiben, der ich bin, wenn ich das erfassen möchte, sondern ich muss mich weiten, damit ich es überhaupt fassen kann.
    Der Weg ist ein langer, aber es sind uns auch schon viele vorangegangen. Und der Funke brennt in jedem von uns.

  • | |

    Nur dieser Tanz

    Lass uns das Leben leben! Das Leben ist ein Koan, eine scheinbar widersprüchliche Aufgabe, die mich manchmal in den Wahnsinn zu  treiben scheint. Bleibe ich aber dran und stelle mich dieser Aufgabe wirklich, erwartet mich mehr, als ich mir je vorstellen kann.  Dabei finden sich die Lösungen nicht in meinen großartigen Plänen. Oft genug ist…

  • | |

    Zeit zu gehen

    Abschiede können richtig hart sein, besonders wenn ich sie nicht gewählt habe. Sie sind aber auch Neubeginn, denn das Leben geht nun anders weiter. Ich kann deshalb ja auch eine Haltung einnehmen, in der ich auf die neuen Möglichkeiten schaue, die eine Trennung, Kündigung, ein Verlust oder eine Veränderung mit sich bringt. Das meist alles andere als einfach. Es hat aber eine Wirkung, das Alte loszulassen und mich bewusst dem offen Raum zuwenden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert