Licht bin - Mann steht im Licht am Meeresufer
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Licht bin

Vom großen Tanz des Seins

Bei aller Schwere unserer Existenz gibt es die Leichtigkeit des Seins. In dieser Leichtigkeit ist alles einfach nur so, wie es ist. Ich dagegen bin so oft ganz verfangen in den Problemen, Schwierigkeiten, Herausforderungen, Widrigkeiten des Lebens. Dann erscheint diese Leichtigkeit wie etwas völlig anderes, vielleicht ja auch als sowas wie ein Ausweg, eine Fluchtmöglichkeit.

Sie existiert aber gleichzeitig neben meinen Problemen, Sorgen, Stimmungen. Das Schwere und das Leichte sind unterschiedliche Aspekte des einen großen Ganzen, des Lebens. Es tut gut, mich gerade in den schweren Zeiten daran zu erinnern und damit zu verbinden, dass es auch dieses Leichte gibt, in dem wir alle sind, in dem alles ist. 

Kapitel:

  • 00:00:00 Intro
  • 00:00:26 Licht bin – Solo
  • 00:02:07 Den Raum der Wahrnehmung wahrnehmen
  • 00:09:50 Licht bin (Remix)
  • 00:14:00 Outro

Transkription

Licht bin

Ich bin Licht
Ich bin Luft
Ich bin Freiheit
Ich bin Atem

In tausend Toden
Gefunden

Ich bin Luft
Ich bin Atem
Ich bin Duft

Millionen Farben
Alle Lieder

Ich bin Licht
Ich bin Himmel
Ich bin Weite
Ich bin Leben

Ich bin
Ich bin
Licht bin
Licht bin

©️ Lachender Bach/Peter Müller 2024

Den Raum der Wahrnehmung wahrnehmen

Ein Platz auf der Welt, den ich sehr liebe, ist La Gomera, eine der kanarischen Inseln. Geologisch gesehen ist das ein ganz junger Fleck auf unserer Erde, gerade mal ein paar Millionen Jahre alt. Biologisch betrachtet aber findet man dort ein echtes Juwel – einen der ältesten Wälder, die es in unseren Breitengraden gibt. Der Laurasilva – der Lorbeerwald – überzieht die Insel wie ein Haarkranz. Er ist ein ganz eigenes Biotop, ein Nebelwald. Die feuchte Luft des Atlantik steigt an der Insel auf, bildet Wolken, die durch den Wald ziehen. Dort oben, am Inselkamm, hängen lange Moosbärte an den Bäumen, an denen sich der Dampf der Wolken verfängt und als Wasser zu Boden tropft. So hat sich dort ein perfekt eingespieltes biologisches, symbiotisches System entwickelt.

Dieser Wald stammt noch aus der Zeit vor der letzten Eiszeit – das heißt, er ist mindestens 28-tausend Jahre alt. Wahrscheinlich aber viel, viel älter. In unserem Zeitalter des Anthropozäns sind die meisten Wälder entweder abgeholzt oder werden rigoros wirtschaftlich genutzt und entfremdet, gleichen also eher Baumplantagen als einem natürlichen Wald. In Deutschland etwa sind es gerade mal zwei Prozent des Waldes, der seinem natürlichen Lebenskreislauf überlassen wird. Der Laurasilva auf La Gomera aber hat das Glück, vom Menschen einigermaßen unberührt leben zu können. Er ist heute ein Nationalpark auf der Insel.

Vor einigen Jahren war ich in diesem Wald unterwegs. Ich hatte mir eine Woche oben auf der Insel gegönnt und war fast jeden Tag von morgens bis Abends in diesem wunderbaren Biotop. Wie immer, wenn man sich Zeit lässt für etwas, beginnt sich der Charakter dieses Etwas zu öffnen. Man beginnt Aspekte, Feinheiten, Eigenschaften wahrzunehmen, die einem bei einer flüchtigen, zielgerichteten Begegnung verborgen bleiben. So ging es auch mir. Als ich in diesen Tagen dort oben im Wald mal spazieren ging, mal einfach nur den Vögeln zuhörte oder einem Bachlauf folgte, begann sich nach und nach meine Wahrnehmung zu verändern. So erkannte ich schließlich diesen Wald als einen Organismus, in dem der ganze Kreislauf des Lebens permanent präsent ist. Es gibt in diesem Lorbeerwald eine Baumart, bei der ein Mutterbaum die „Kinderbäume“ um sich herum schart. Sie wachsen langsam neben der Mutter auf und stehen als Kreis um sie herum. Irgendwann stirbt dann dieser Mutterbaum und lebt in den Kindbäumen weiter. So sieht man abgestorbene Bäume, die von Pilzen, Insekten und Vögeln über viele Jahre langsam zersetzt und Teil der Erde werden, die den felsigen Grund von La Gomera bedeckt und das üppigen Boden schafft, auf dem dieser Wald gedeiht. 

Eines Nachmittags saß ich lange auf einem großen Felsen, der wie eine Kanzel im Wald steht. Amseln sangen in der Kathedrale der Bäume, ihr Gesang hallte unter dem Blätterdach. Vögel schwebten elegant unter der Baumkrone durch den Wald, nur um dann wieder in den Himmel hinaufzutauchen. Ich war einfach nur stiller, wortloser Beobachter. 

Doch dann passierte auf einmal etwas ganz Besonderes. Es war, als würde die Weite dieses Waldes in mich hineinsinken. Mit einem Mal konnte ich erkennen, wie dieser wunderbar leichte Moment, in dem ich da gerade war, ein zeitloser Moment war. So wie jetzt ereignete sich das Leben in diesem Wald seit vielen vielen Tausenden von Jahren – ein ständiges Werden und Vergehen, das sich in der bunten Vielfalt dieses Organismus manifestiert. Während alles ständig in Bewegung war, mit singenden Vögeln, rauschendem Wind, blühenden Bäumen, dem stillen Leben des Verfalls abgestorbener Blätter und Bäume, war da diese andere Seite, in der der Wald einfach Wald war, so wie er es schon – nun, nicht immer, aber schon ganz ganz lange war. Ein schwer in Worte zu fassender Friede machte sich in mir breit, eine betörende Schönheit berührte mich ganz tief. Sie war so einfach wie perfekt, eine mühelose Harmonie. Eine Ordnung, die über das einzelne Wesen – Baum, Strauch, Vogel, Fliege, Schmetterling – Mensch – hinaus geht, in der ein jedes seinen Platz hat und doch untrennbar mit dem Ganzen verbunden ist. Und ich, ich war wonnevoller und bezauberter Beobachter dieser unfassbar wundervollen Schönheit.

Outro:

Dem Thema Licht bleiben wir jetzt erst mal noch treu – die nächste Ausgabe ist entweder Funken oder Das kleine Licht – ich arbeite gerade an zwei Remixes parallel, mal sehen, welcher zuerst fertig wird. Licht ist ein wunderbares und sehr universelles Bild für das Göttliche, und für das Bewusstsein.

Ich bedanke mich fürs Zuhören und empfehle, falls Du das nicht ohnehin schon getan hast, diesen Podcast zu abonnieren, damit Du die nächste Ausgabe ganz automatisch bekommst. Wie immer freue ich mich, wenn Du den Podcast weiterempfiehlst. Und über Kommentare – gelegentlich treffe ich Menschen persönlich, die meinen Podcast hören. Das ist superschön. Falls wir uns aber nicht persönlich kennen, kannst Du auf lachenderbach.de einen Kommentar hinterlassen.  

Und bitte lass mir eine Sternebewertung auf Apple Podcasts oder Spotify da, einen Daumen auf YouTube. Das hilft anderen, davon zu erfahren – und motiviert mich, weiter zu machen.

Ich wünsch Dir Momente, in denen Du das Licht in Dir erkennst – und durch dich scheinen lässt. Mein Name ist Lachender Bach, ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer.

Danke fürs Dabeisein, und – lass es fließen im wilden Strom des Lebens.

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