Schwerter zu Pflugscharen
Wie du Frieden findest
Kaum jemand würde wohl sagen, er möchte keinen Frieden in der Welt. Friede aber scheint irgendwie ja wie die berühmte Karotte vor dem Esel zu sein, immer noch einen Schritt weit entfernt – es fehlt immer etwas, damit er Wirklichkeit werden kann.
Das Problem könnte daran liegen, dass wir einfach in die falsche Richtung blicken. Frieden ist nicht etwas, das von Außen auf uns zu kommt. Die Weisheitslehrer dieser Welt sprechen nämlich von einer anderen Richtung. Die ist keineswegs was für konfliktscheue Weicheier. Der radikale Weg zum Frieden ist einer, der nach innen gegangen wird …
Kapitel:
- 00:00:00 Intro
- 00:00:26 Schwerter zu Pflugscharen
- 00:03:56 Der Weg führt nach innen
- 00:15:26 Schwerter zu Pflugscharen (Remix)
- 00:22:58 Outro
Hier die Links zu den erwähnten Episoden: Sailing the Dark Sea und New Moon.
Transkription
Schwerter zu Pflugscharen
Ja, Schwerter zu Pflugscharen
Das wär ein Ding
So von heute auf morgen
Kein Geld mehr für Drohnen
Für Schüsse und Waffen und Panzergerät
Keine Foltergefängnisse
Keine Vergewaltigungen
Kein Raub
Kein Genozid
Die Hand frei um wirklich zu helfen
Den Rücken frei mich anzuvertrauen
Statt angstvoll zu greifen
Gelassen zu ruhen
Für alle Ewigkeit kann ich drauf warten
Von außen kommt nur Illusion
Keine Lichtgestalt die das Heil bringt
Die Außenwelt ist innen hohl
Mehr vom Selben oder Sterben
Die Kontrolle endlich lassen
Nicht den Fluss zu halten suchen
Klar der Nacht ins Auge sehen
Das Kreuz zur Gänze vertrauen nehmen
Kalis Schwert zerzweit vereint
Durchs schwarze Loch in einen Urknall
Vom Haben hin zum reinen Sein
Wenn alles ist gibts nichts zu kämpfen
Weil alles gut ist wie es ist
Dann denk ich gerne auch ans Pflügen
Weil dieser Mensch so gerne isst
©️ Lachender Bach/Peter Müller 2026
Der Weg führt nach innen
Die Weltgeschichte ist voller Lichtgestalten, die angetreten und aufgetreten sind, um eine neue Welt zu bringen, in der das Wahre, das Gute, das Richtige endlich seinen Platz hat. Und wenn man zwischen den Schlagzeilen liest, dann gilt das heute noch genauso, und vielleicht ja im Moment gerade mal wieder mehr. Ja, es gibt jede Menge, das in unserer Welt ziemlich schief läuft. Da ist der Wunsch nur zu verständlich, dass doch endlich jemand mal damit gründlich aufräumen möge.
Die historische Bilanz solcher Bemühungen ist allerdings notorisch schlecht. Und mehr noch, je höher die Ansprüche der vermeintlichen Lichtbringer, desto katastrophaler ihre Ergebnisse. Ich möchte dazu mal zwei Beispiele rausgreifen.
Das eine ist aus unserer eigenen Geschichte und ja eigentlich hinreichend bekannt. Richtig, es geht um unseren „großen Führer“ Adolf Hitler. Er war tatsächlich überzeugt davon, dass ihn „die Vorsehung“ dazu auserwählt hat, der „arischen Herrenrasse“ den ihr zustehenden Platz in der Weltgeschichte zu verschaffen. Er war überzeugt von einer sozialdarwinistischen Idee – eine Verzerrung der Evolutionstheorie, die aber in seiner Zeit populär war, wonach sich der Stärkere so als eine Art Naturgesetz gegen den Schwächeren durchsetzt und auch durchsetzen muss. Eine Lebensberechtigung hat nur der Starke. Es gibt eine Rede von Hitler vor Offizieren im Oktober 1941, als schon absehbar wurde, dass der Krieg verloren werden würde. Darin sprach er davon, wie die Nachwelt den Nazis danken werde, weil sie der Evolution zur Durchsetzung verholfen habe, also die Menschheit als Ganzes stärker gemacht habe. Wie wir ja heute wissen, hat das nicht so wirklich geklappt. Als der Krieg dann schon fast verloren war, kurz bevor er sich dann im Führerbunker in Berlin das Leben nahm, gab er den Befehl der verbrannten Erde – also einfach gesagt, Deutschland sollte komplett zerstört werden, damit die Eroberer keine Beute machen würden.
Albert Speer, damals Reichsminister für Bewaffnung und Munition, hat Hitler in den Nürnberger Prozessen so beschrieben: »Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Dieses Schicksal ist unabwendbar. Es sei nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil sei es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hätte sich als das schwächere erwiesen und dem stärkeren Ostvolk gehöre dann ausschließlich die Zukunft. Was nach dem Kampf übrigbleibe, seien ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten seien gefallen.«
Das ist so kalt, dass einem glatt die Spucke wegbleiben kann. Die Menschen, also seine vielgepriesenen arischen Deutschen, waren im völlig egal, ihm ging es nur um seine große Idee. Was für ein unglaubliches Elend das über die Welt gebracht hat, mit Millionen von Toten, das ist Geschichte.
Das andere Beispiel findet gerade in den USA statt, wo bekanntermaßen ja jemand gerade Amerika wieder great machen möchte. Wer sich etwa mit den jüngsten Ereignissen in Minneapolis beschäftigt, der ist schockiert. Nicht nur von den sinnlosen Morden, die da begangen wurden, sondern auch von der Angst, dem Terror, der verbreitet wird. Kinder werden auf dem Weg zur Schule gefangen und inhaftiert, von ihren Eltern getrennt. Arbeitskollegen verschwinden oder trauen sich nicht mehr aus dem Haus aus Angst vor Verhaftung. Ich selbst hab einige Jahre in Minneapolis gelebt und dort ein christliches College besucht. Eine ehemalige Mitstudentin von damals, die beinharte MAGA-Anhängerin ist, postete neulich auf Facebook, dass für sie ein Traum in Erfüllung gehe und ICE genau das tue, was sie immer gewollt habe. Das ist eine Frau, die für sich selbst in Anspruch nimmt, als evangelikale Christin nach der Bibel zu leben und Jesus nachzufolgen. Ich konnte es mir nicht verkneifen, in einem Kommentar zu fragen, was denn aus dem Wort von Jesus in der Bergpredigt geworden ist: „Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen.“ Eine Antwort habe ich nicht bekommen.
Und diese Antwort gibt’s wahrscheinlich auch gar nicht, wenn man auf einem Weg ist, das in der Welt richten zu wollen, was vermeintlich an ihr verkehrt ist. Seltsamerweise gibt es dann immer die Bösen, schlimmen Menschen, die auf irgendeine Weise eingepfercht oder gar beseitigt werden müssen. Bei Hitler waren es KZs, bei MAGA sind es Gefängnisse und Abschiebung.
Es gab und gibt in der Geschichte aber immer auch Menschen, die einen radikal anderen Weg vorgeschlagen und vorgelebt haben. Sei es Buddha, Jesus, ein Franz von Assisi, ein Jallaludin Rumi oder ein Hafiz, eine Mutter Theresa, ein Eckart Tolle und auf seine Art selbst Albert Einstein: Sie alle haben, in ihrer Sprache und auf ihre Weise, den Fokus auf eine andere Stelle gerichtet. Auch ihnen ging es dringend darum, wie ein Weg aus den schlimmen Zuständen dieser Welt gefunden werden kann. Der Blick ging aber bei ihnen allen nicht ausschließlich nach außen, also in die vermeintlich böse Welt, die repariert werden muss. Ihr Blick ging nach innen, an den einzigen Ort, an dem ich wirklich nachhaltige Veränderung schaffen kann: Im eigenen Geist, oder in anderen Worten, im eigenen Herz.
Dieses Zitat aus dem Alten Testament von den Schwertern, die zu Pflugscharen werden, und, wie’s dann weiter geht, Speere zu Winzermessern, stammt aus den Prophetenbüchern. Da ist die Rede davon, dass es keine Kriege mehr gibt und niemand mehr lernen wird, Krieg zu führen. Die ganze kreative Energie kann dann dahin gehen, die Welt wirklich zu einem besseren Ort zu machen: Statt durch Gedärme zu schneiden lieber den Boden umpflügen und reichlich Essen für alle anbauen, statt Herzen zu durchbohren lieber Weintrauben abschneiden und leckeren Wein produzieren. Wenn man diese Passagen genau liest, dann ist da von Worten die Rede, die Menschen erreichen. Worte, die verändern, treffen immer ins Herz. Damit sie aber überhaupt in meinem Herzen ankommen, muss ich offen sein, muss mein Herz offen sein.
Und das ist der Schlüssel für echte Veränderung: Ich selbst hab’s in der Hand, ob ich aus meinen gefangenen Bahnen, meinem Genervtsein, meiner Ohnmacht, meiner Wut, meinem Schmerz, meinem Zynismus, meiner Einsamkeit, meiner Verlorenheit ausbrechen möchte oder nicht. Der Weg dazu führt nicht über’s Außen, denn wie heißt’s so schön, „irgendwas ist immer“. Dieser radikale Weg führt nach innen, indem ich mich selbst anschaue. Zwangsläufig bedeutet das dann auch, mich auf meine schattenhaften Seiten einzulassen. Falls du Englisch kannst und dich das interessiert, höre mal in zwei Ausgaben der englischen Version dieses Podcasts rein. Sie heißen Sailing the Dark Sea und New Moon. Den findest du unter laughingbrook.net.
Nun heißt dieses Nach-innen-blicken nicht, dass ich mich selbst erlöse oder mich in Nabelschau verliere – das große Angebot der Liebe wartet immer auf mich im großen All-Eins-Sein, und auf diesem Weg der Liebe brauche ich alle Hilfe und Unterstützung, die ich kriegen kann. Manchmal werde ich getragen, und manchmal trage ich andere mit, das ist Teil des Weges. Aber die Entscheidung, den Weg gehen zu wollen mit all den Wagnissen, Kosten und auch großartigen Momenten, die das mit sich bringt – diese Entscheidung treffe ich selbst. So oder so.
Outro:
Die heutige Episode ist komplett auf La Gomera entstanden, wo ich gerade für ein paar Wochen lebe. Ich liebe diese Kanareninsel, nicht nur wegen des warmen Wetters oder des wunderschönen Nebelwalds, den es hier gibt. Manche Leute sagen, dass Vulkaninseln eine besondere, feurige Energie haben. Ob das stimmt – wer weiß.
Das Gedicht dieser Episode ist vor ein paar Tagen am Strand entstanden. Am Abend war ich dann auf einem Sitar-Konzert von Martin Michna und seiner Frau. Während des Konzerts ließ mich der Gedanke nicht los, das Gedicht mit ihm zu vertonen, und so hab ich mir ein Herz genommen und ihn gefragt – er sagt ja und wir hatten viel Spaß bei der improvisierten Session mit dem Remix für dieses Gedicht. Ich hoffe, du auch!
Wenn Dir der Podcast gefallen hat, empfiehl ich gerne weiter. Ich sag jedenfalls danke fürs zuhören. Mein Name ist Lachender Bach, ich bin ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer. Danke fürs Dabeisein, und – lass es fließen im wilden Strom des Lebens.
