Tagedieb - Gedicht - Lachender Bach - Mann Blickt auf den Sonnenaufgang in den Bergen
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Tagedieb

Einfach mal nichts tun

Ein Loblied auf den Müßiggang. Der nur im Übermaß aller Laster Anfang ist – denn wenn ich mich der Muße hingebe, schaffe ich Raum für Neues. Das ist der Kern jeder Kreativtechnik, aller Resilienzempfehlungen und letztlich einer der Schlüssel für ein gelungenes und lebenswertes Leben. 

Und dabei plagt einen dann ganz schnell das schlechte Gewissen, denn zu erledigen gäb’s ja immer was. Aber andersrum betrachtet: Was gibt es denn alles zu entdecken, wenn ich mir einfach mal die Zeit und den Raum dafür gebe?

Kapitel:

  • 00:00:00 Intro
  • 00:00:26 Tagedieb – Solo
  • 00:03:00 Ein Loblied auf die Pause
  • 00:06:57 Tagedieb (Remix)
  • 00:10:47 Outro

Die Ngoni für den Remix spielte Nico. Danke!

Transkription

Tagedieb

Ich hab mir heut den Tag gestohlen
Bin nicht durch den Tag gehetzt
Mir nicht die Sohlen glattgewetzt
Nichts was es unbedingt zu schaffen gibt

Mich einfach in die Sonn gesetzt
Den Herrgott einen guten Mann sein lassen
Um dieses unfassbare Leben
Mal in aller Ruhe zu erleben

Mir erlaubt dem leisen Wind zu lauschen
Der immer weht und nie vergeht
Ganz so wie meine Worte hier
Die so müßig gehen aufs Papier

Wozu soll all das nütze sein
Fragt der der die Karotte trägt
Der niemals eine Pause gönnt
Die nur um ihrer selbst genommen

Ich hab mir heut die Zeit gestohlen
Verschwende sie mit leeren Händen
Bis von der Hetze und dem Müssen
Der allerletzte Rest verweht

Wie die Sonne so am leeren Himmel steht

©️ Lachender Bach/Peter Müller 2025

Ein Loblied auf die Pause

Vor Jahren hab ich mal eine Dokumentation über einen Stamm in Afrika gesehen, der noch immer in dieser legendären und lang vergangenen Form der Jäger und Sammler lebt. Das ist ein Leben jenseits von Smartphones, Social Media und Sozialversicherung, all der Dinge, die wir für unverzichtbar halten. Man könnte meinen: Diese armen Menschen, auf was die alles verzichten müssen. Was mich an der Doku echt fasziniert hat war ein Kommentar des Moderators, der beschrieb, dass diese Menschen vier bis sechs Stunden am Tag arbeiten. Der Rest ist frei für Spielen, Gespräche, sich mit Kunst beschäftigen, ein Nickerchen machen – für ein freies Leben. Und das klang auf einmal gar nicht mehr so bedauernswert.

Weiß nicht, wie’s dir geht, aber in meinem Leben jagt mich der niemals endende Strom von E-Mails, Textnachrichten, Terminen, Geld, das rangeschafft werden muss, die To-Do-Liste, die nie erledigt ist. Wie oft habe ich mich darin schon verloren. Als Freelancer liegt mein Rekord bei einem 18-Stunden-Tag, den ich mal gerockt hab – damals war ich da richtig stolz drauf, heute bin ich das nicht mehr. 

Manchmal muss man Dinge durchpushen, um weiter zu kommen. Das entspricht ja auch dem Leistungsmantra, nachdem unsere Gesellschaft funktioniert. Eine eher vergessene Weisheit ist aber die, das manche Dinge genau dann stattfinden, wenn man nicht pusht. Das kann einem geradezu widersinnig erscheinen, wenn man so ganz auf Leistung orientiert ist. So aber, wie unser Körper nur mit Spannung und Entspannung funktioniert, so ist das mit dem ganzen Leben. Wir atmen ein, wir atmen aus. Ohne das Gehenlassen des Ausatmens könnten wir nicht einatmen und würden ersticken. Muskeln spannen sich an und entspannen sich – wer ständig in Anspannung lebt, hat bald einen Arzttermin im Kalender stehen. Nach dem Loslassen in den Schlaf wachen wir in einen neuen Tag auf, und das, was am Tag zuvor noch unüberwindbar aussah, erscheint plötzlich vielleicht in einer ganz anderen Perspektive und neue Wege tun sich auf.

Ich jedenfalls hab beobachtet, dass mir die besten Ideen häufig nicht dann kommen, wenn ich verbissen an einer Sache arbeite, sondern dann, wenn ich mir eine Pause gönne. Denn da, wo der Raum leer ist, wird er sich wie von selbst wieder füllen. Das wiederum ist keine Methode, um noch mehr leisten zu können. Es ist etwas Größeres. Ich würde es Lebensweisheit nennen.

Outro:

Bevor du jetzt vielleicht gleich auf die Pause-Taste drückst möchte ich mich noch kurz von dir verabschieden. Die Musik im Remix dieser Episode stammt von Nico, die wunderbar die Ngoni – ein afrikanisches Instrument – dazu gespielt hat. 

Ich freu mich wie immer über Kommentare und lad dich ein, eine Bewertung oder einen Daumen nach oben zu hinterlassen, wo immer du diesen Podcast hörst. Gerne darfst du mich weitermpfeheln, vielleicht gibt es einen Freund oder eine Freundin, der dieser Podcast auch gefallen könnte.

Mein Name ist Lachender Bach, ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer  Danke fürs Dabeisein, und – lass es fließen im wilden Strom des Lebens.

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