Unabwendbar
Krisen surfen
Man muss nicht gleich in ein schwarzes Loch stürzen – aber manchmal spielt einem das Leben so miese Karten zu, dass es einem dem Boden unter den Füßen wegzieht. Etwa, wenn Liebgewonnenes plötzlich, tja, den Bach runter geht.
An der Situation lässt sich da normalerweise wenig ändern. Denn könnte ich was ändern, hätte ich’s ja schon lange getan. Was ich aber verändern kann, ist die Art und Weise, wie ich damit bin. Aber wie kann das gehen? In dieser Episode werfen tauchen wir tief ein …
Kapitel:
- 00:00:00 Intro
- 00:00:26 Unabwendbar – Solo
- 00:03:50 Kleines Krisen-Notfallset
- 00:14:24 Unabwendbar (Remix)
- 00:19:26 Outro
Transkription
Unabwendbar
im Zentrum der Galaxis
wartet furchtbar
das SCHWARZE LOCH
an dessen Schlund
Ich taumelnd baumel
traumend kaumel
Es raubt mir meinen Schlaf
Es nimmt mir meinen Atem
Es bricht mir den Verstand
stimmloser Schrei
endlose Schwärze
oh süßer Traum
Halt mich aufs Ängste
dass alles immer bleibe
genau so wie ich jetzt
immer immer weiter
bitte bitte bleib
schreie ohne Atem
lauf, komm nicht vom Fleck
kaltes Wissen
kanns nicht wenden
Ich
muss in der Schwärze enden
endlos fallen
haltlos stürzen
in das Doch
mitten in der scheiß Galaxis
fieses kaltes
schwarzes Loch
presst mich
quetscht mich
total zerfetzt mich
fauchimtsöl
chchch
ich|chi
chi schwebe webe
lichtes Leuchten
leichtes Lassen
leises Laut
Dunkel wars von außen nur
Drinnen wars vertraut
Und pur
©️ Lachender Bach/Peter Müller 2026
Kleines Krisen-Notfallset
Krise ist Chance. Dieser Satz ist eine dieser ausgelutschten Teebeutel-Weisheiten, die man vielleicht dem Autor oder wohlmeinenden Freund um die Ohren hauen will, wenn man gerade bis zur Unterlippe in der Scheiße sitzt. Worauf man in so einer Situation gerade noch gewartet hat, ist so eine Always look at the bright side-Weisheit, die halt in der Theorie immer super klingt, einem aber relativ wenig nützt, wenn man gerade seine Felle davonschwimmen sieht.
Wenn es wirklich ans Existenzielle geht und ich merke, dass mein Leben gerade dabei ist, ein hartes Downgrade zu bekommen, dann brauche ich keine schlauen Motivationssprüche. Ich suche verzweifelt oder vielleicht sogar panisch nach einem Ausweg und fühle mich verloren. Das Leben verliert seinen Elan, es wird grau und drückend, die Perspektiven gehen den Bach runter, ich will eigentlich nur noch, dass das aufhört und endlich wieder zu „normal“ zurückkehrt. Ich sag das, weil ich gerade genau durch genau so eine Zeit durchgegangen bin, mit schlaflosen Nächten und farblosen Tagen, mit Momenten voller Angst, Selbstmitleid, Zweifel, banger Hoffnung und Wut.
Tja. Und trotzdem ist der schlaue Satz mit der Krise als Chance wahr.
In der Krise fordert mich das Leben heraus zu zeigen, was in mir steckt. Es lässt mir nicht mehr die Möglichkeit, einfach so weiterzuwurschteln und irgendwann dann was zu tun. Es steigt mir auf die Zehen und ich muss jetzt reagieren. Es drängt mich zu einer Entscheidung. Meiner Erfahrung nach hab ich dann die Wahl, alles einfach so zu lassen wie’s eh schon immer war, … was dann zu irgendeiner Art von Untergang führt, bei dem dann tatsächlich der Boden unter den Füßen weg bricht und es erstmal keine Perspektive mehr gibt.
Oder ich mache einen ziemlich harten Schritt, einen ziemlich harten Schnitt – nämlich, statt den Schmerz, die Unsicherheit, die Ungewissheit wegzuschieben oder mich davon völlig überwältigen zu lassen – und es kann ja echt komplett überwältigend aussehen und sich auch so anfühlen – wende ich mich dieser schmerzhaften, schwer erträglichen Sache zu. Dazu gehört auch, mir meine eigene Ohnmacht einzugestehen. Denn eine Situation, die ausweglos erscheint, ist ja geradezu die Definition von Ohnmacht. Das ist ganz schwer auszuhalten, und noch schwerer ist es, das anzunehmen.
Was soll das verändern, das eigene Unglück anzunehmen? Ist das nicht gleichbedeutend mit Kapitulation? Ist nicht gerade jetzt die Zeit, in der ich kämpfen sollte?
Aber dann: Kämpfen ist ja sinnlos, denn es ist klar, dass die Situation ist, wie sie ist. Das versetzt mich ja in Panik, macht mir Angst und schnürt mir die Luft ab.
Eine Sache, die ich aus solchen extrem schwierigen, hoffnungslosen Situationen gelernt habe, ist, sie anzuschauen. Also nicht, mich davon wegzudrehen und irgendwie zu versuchen, den Gefühlen, der Perspektivlosigkeit, der Ausweglosigkeit zu entkommen. Sondern all das da sein zu lassen, es zu beobachten, mich selbst dabei zu beobachten. Das geht anfangs meistens nicht wirklich, weil alles in mir wieder will, dass das Leben so bleibt, wie ich es kenne und ich die Vorstellung unerträglich finde, dieses Leben zu verlieren – dieses Leben, das ja mehr oder weniger meine Identität ist, also das ich bin. Im Anschauen brennt der Schmerz in mir – volle Kanne! Tränen, Wut, Apathie, Panik. Der ganze Abgrund des wahr werdenden Horrors.
Nach einer Weile aber kommt sowas wie ein Anerkennen, das es – so beschissen wie es gerade ist – so ist, wie es ist. Das ist ein ganz unscheinbares Anerkennen, denn in mir rumort immer noch der Widerstand dagegen, und der ist erstmal viel lauter und stärker. Wenn ich mich aber entscheide, mich nicht nur dem Schmerz und der Ausweglosigkeit zuzuwenden, sondern auch noch bewusst in diesen Schmerz hineinzugehen, dann kann etwas passieren. In meiner Erfahrung heißt das erst mal noch mehr Schmerz. Also genau das, was ich ja eigentlich überhaupt nicht will. Da gibt’s auch keine Abkürzung, ich kann es nicht faken, so tun als ob. Der Schmerz wird mehr. Und ich wende mich meiner Ohnmacht zu, meinem Nichtwissen. Gar nichts daran fühlt sich gut an. Gar nichts. Ich nehme mein Kreuz auf mich und gehe dem sicheren Tod entgegen.
Ich würde dir jetzt gerne sagen, ich hätte das Patentrezept gefunden. So funktioniert’s aber nicht. Ich kann an der Stelle nicht schummeln. Ich kann nur drauf zugehen.
Aber es wird etwas passieren, wenn ich mich entscheide, auf diese unausweichliche Sache zuzugehen. Man nennt das Katharsis. Der Begriff kommt vom griechischen Wort katharein, was „reinigen“ bedeutet. Beim Reinigen wird etwas weggenommen, damit dann das Eigentliche wieder in seiner reinen, klaren Form da sein kann. Wann, wo und wie und sogar ob das in einer Krise geschieht, lässt sich nicht prognostizieren. Aber etwas geschieht, wenn ich mich hinwende, zuwende.
Nach meiner Erfahrung können solche Momente unglaubliche Türen öffnen. Manchmal Dinge, die sich erst mal gar nicht mit Worten fassen lassen. Das wäre dann die Chance in der Krise. Das Wort Chance stammt übrigens aus dem Altfranzösischen und heißt soviel wie „möglicher Fall“, also eigentlich der „Fall der Würfel“. Es gibt also keine Gewissheit im Voraus. Mich auf die Ausweglosigkeit und der Schmerz der Krise einzulassen, es nicht vorher zu wissen – da liegt die ganze Magie.
Das fühlt sich an wie sterben. Und ist es gewissermaßen ja auch. Wie es ein Songtitel so schön ausdrückt: Everybody wants to go to heaven but nobody wants to die – alle wollen in den Himmel kommen, aber keiner will sterben. Dumm nur, dass es ohne Sterben keine Auferstehung gibt …
Aber vielleicht ist das tröstlich: Mit dieser Erfahrung bist du nicht allein. Und wer weiß, vielleicht ist das schwarze Loch ja gar nicht so schwarz, wenn man hineinspringt. Ich jedenfalls weiß, dass mit die größten Geschenke in meinem Leben aus solchen Krisen geboren wurden.
Outro:
Große Umbrüche müssen ab ja zum Glück nicht immer die Vollkatastrophe sein. Manchmal sind sie auch sowas wie eine Neugeburt. Falls dich das interessiert, hör mal in die erste Episode dieses Podcasts rein, die heißt Humpty Day. Für heute sind wir aber am Schluss angekommen, und da sag ich wie immer: Danke fürs Zuhören! Und wenn Du magst, lass einen Kommentar da und eine Bewertung – das motiviert mich, weiter zu machen und hilft anderen, diesen Podcast zu finden.
Mein Name ist Lachender Bach, ich bin ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer. Danke fürs Dabeisein, und – lass es fließen im wilden Strom des Lebens.
