Wie das Wasser
Der meditative Blick auf das Dazwischen
Wo entspringt die Kreativität? Sie kommt aus dem anstrengungslosen Raum der Gelassenheit, der übrigens keineswegs passiv ist. Ein bisschen wie das Wasser, das frei fließt und doch unglaublich viel bewirken kann.
Diesmal werfen wir einen Blick auf diesen scheinbar leichten, leeren Raum, der im Dazwischen liegt.
Kapitel:
- 00:00:00 Intro
- 00:00:26 Wie das Wasser – Solo
- 00:01:51 Im Dazwischen liegt die Freiheit
- 00:08:14 Wie das Wasser (Remix)
- 00:11:52 Outro
Vielen Dank an Nico für den Input bei der Aufnahme des Remix’, und für die wunderbare Begleitung auf der Ngoni.
Transkription
Wie das Wasser
Wie das Wasser wird laut
Wenn es über Felsen rinnt
Berauscht im Springen
Klingen in den Dingen
Wie der Baum sich biegt
Mit dem Wind sich wiegt
Himmel und Erde
Hier, ich werde
Wie der Fels so steht
Wie der Wind auch weht
Weicht ihn auch der Regen
Er wird sich nicht regen
Wie ich sitze und schaue
Meine Reime baue
Vor dem Felsen unter’m Baum
Grünes Wasser, weißer Schau
©️ Lachender Bach/Peter Müller 2025
Im Dazwischen liegt die Freiheit
Meditation ist inzwischen ganz schön in Mode gekommen. Und das nicht zu Unrecht. Es gibt ja heute zu fast allem Studien. Und Studien zur Meditation zeigen, wie gut sie für Menschen auf ganz vielen unterschiedlichen Ebenen ist. Man kann sich allerdings den Dingen immer nur von dort aus nähern, wo man sich befindet. Und in unserem auf Fortschritt, persönliche Entwicklung, Entfaltung – also, sprich: Leistung – angelegten Weltbild ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir auch mit einer solchen Haltung an die Meditation herangehen. Das kann dann zum Beispiel dazu führen, aus der Meditation eine Art Sport zu machen, also halt noch eine Sache, die wir neben all dem tun, was wir ohnehin schon machen, und in der wir gut zu werden versuchen. Denn mit unserer Leistungsbrille sehen wir das Leben unter solchen Gesichtspunkten.
Beim Meditieren kommt man mit dieser Haltung allerdings irgendwann an eine Grenze, an der es nirgendwohin zu gehen scheint. Gehe ich nach dieser falschen Motivation und vermutlich einigem Scheitern dann weiter, kann irgendwann ein Raum aufgehen, in dem ich sehe, dass es nicht ums Tun geht, sondern darum, mich selbst zu lassen. Man könnte auch sagen: die Lebenskraft durch mich fließen zu lassen. Dafür gibt es in den verschiedenen Traditionen und Kulturen ganz unterschiedliche Antworten. Wir im deutschsprachigen Raum sind generell eher stark auf die Ratio ausgerichtet, also auf den Verstand. Damit haben wir großartige Dinge kreiert, die heute für uns Wirklichkeit sind.
Jemand hat das mal auf eher bayerische Art beschrieben: „Und dann braucht man ja auch noch Zeit, einfach dazusitzen und zu schauen.“ Damit ist gemeint, dass die Gschaftlhuberei , also das ständige Beschäftigtsein und Machen, auch mal Pause haben muss. Wenn ich den Weg mit der Meditation weiter gehe, also mit dem wachen Gewahrsein, das nach und nach Verstrickungen erkennt und sich auf den manchmal schmerzhaften, immer aber beglückenden Weg macht, aus diesen Gebundenheiten rauszutreten. Wenn ich den in der Meditation gelernten Blick auf mein ganzes Leben und auf das um mich herum ausdehne, dann komme ich irgendwann an eine Grenze.
Was, schon wieder eine Grenze? Ja, das ist die Grenze meiner selbst.
An dieser Grenze kann ich es nicht mehr fassen. Ich versteh’s einfach nicht. Es geht mir nicht in den Kopf. I can’t wrap my mind around it. Es gibt auch keine Worte mehr, in die ich diese Erfahrung passen kann, lediglich noch Bilder oder Annäherungen.
Diese Grenze zu überschreiten heißt nichts weniger, als mich selbst loszulassen und damit alle Kontrolle über alles. Das ist das, was wir sonst ja so panisch und um jeden Preis vermeiden möchten. Deswegen ist der kontemplative Weg, der Weg der Meditation, nichts für zarte Gemüter.
Gehe ich diesen Weg aber, dann komme ich irgendwann, nachdem ich mehr und mehr gelassen habe, an einen Punkt der Gelassenheit. Dann bin ich nicht mehr vollständig identifiziert mit meinen Gedanken, Gefühlen, Umständen und meinem Tun, sondern ich kann mich gleichzeitig beobachten in meinem Denken, meinem Fühlen, in meinen Umständen und bei meinem Tun. Ich sehe mir zu, wie ich die Dinge tue. Ich bin auf jeder Ebene dieses Bewusstseins präsent, der handelnden ebenso wie der beobachtenden. An dieser Stelle kann ich mit den verschiedenen Ebenen spielen, und mal der Wind sein, mal der Fels, mal der Stift in meiner Hand oder das Wort aus meinem Mund. Indem ich mich lasse, verliere ich nur scheinbar mich. Möglicherweise finde ich aber auch etwas. Möglicherweise finde ich mich wieder, ganz anders im lebendigen Netz von allem.
Outro:
Und damit verfließt nun auch diese Podcast-Episode, und du fließt weiter in deinen Tag. Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn’s dir gefallen hat, empfiehl mich gerne weiter, davon lebt dieser Podcast, und hinterlasse gerne eine Bewertung oder einen Kommentar, oder beides. Mehr von mir und alle Transkripte zu den Gedichten findest du auf meiner Website lachenderbach.de.
Mein Name ist Lachender Bach, ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer. Genieß den Sommer, bis zum nächsten Mal.
