Zum Licht - Podcast Lachender Bach - Lyrik Poetry Gedichte - Autoscheinwerfer in der Nacht
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Zum Licht

Es glänzt nicht alles, was Gold ist

Manche Geschenke schickt uns das Leben in einer Verpackung, die ganz schön herb und unangenehm ist. Wir alle wollen ja gut und glücklich leben. Aber ist es nicht so, dass keiner von an den schwierigen Zeiten im Leben vorbei kommt? Egal wie man sich bemüht, irgendwann erwischt’s jeden mal.

Diese Episode ist eine Einladung, mal anders auf die finsteren Zeiten im Leben zu blicken. Ein kleiner Mutmacher für schwierige Momente.

Kapitel:

  • 00:00:00 Intro
  • 00:00:26 Zum Licht – Solo
  • 00:01:43 Wofür dunkle Zeiten gut sind
  • 00:09:11 Zum Licht (Remix)
  • 00:13:07 Outro

Transkription

Zum Licht

Ich kann nicht zum Licht gelangen
Indem ich vermeide ins Dunkel zu gehen
Der Weg führt geradewegs
Durch des Lebens tiefe Schluchten
Im Finstren erkenn ich das Licht

Im Finstren erkennt mich das Licht
Unzerreisbar trägt mich sein Strahlen
Durch der Schwere Gewicht
Verleiht mir Flügel
Und ein neues Gesicht

Nun weiß ich ums Licht
Mehr und mehr wird sein Schein
Ich werde zum Licht
Mehr und mehr wird sein Sein

©️ Lachender Bach/Peter Müller 2025

Wofür dunkle Zeiten gut sind

Vor ein paar Tagen wurde die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa nach fünf Jahren Haft mit etwa 100 weiteren Gefangenen entlassen – ein Deal, den die amerikanische Regierung ausgehandelt hat. In einer Pressekonferenz sprach Kolesnikowa über ihre Haft, wie sie Uniformen für den Geheimdienst nähen musste. Dabei sagte sie, dass sie sich über die Arbeit gefreut habe. Gefreut, wirklich? Ja, und sie sagte dabei unglaubliche Dinge wie: „Ich war jeden Morgen glücklich.“ Für sie ging es darum, in einem Geist der Liebe und Freiheit zu arbeiten – trotz Haft. Aber wie ist das möglich, in so einer Situation glücklich zu sein?

In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht ja diese berühmte Aussage, wonach jeder das Recht hat, nach Glück zu streben – the pursuit of happiness heißt das dort. In einer Diktatur im Gefängnis zu sitzen scheint dem nicht gerade förderlich zu sein. Wir haben im Deutschen ja die etwas pragmatischeren Redewendung, wonach jeder seines Glückes Schmied ist. Immer setzen solche Aussagen voraus, dass wir das Glück wollen und suchen. Und natürlich wollen wir das! Wer will den schon unglücklich sein? 

Aber die Umstände machen uns ja so oft das Leben schwer. Das muss noch nichtmal was sein, das von außen kommt – man muss dazu nicht im Knast sitzen. Wie viele Menschen sitzen nicht im Knast und sind trotzdem unglücklich? Ich sehe vielleicht meine eigenen schlechten Gewohnheiten und Schwächen und fühle mich schlecht deswegen. Oder ich wäre gerne woanders, oder jemand anders. Es gibt tausendundeinen Grund, unglücklich zu sein mit dem Leben, so wie’s gerade ist. Wir Deutschen mit unserer weltweit berüchtigten „German Angst“ sind da Weltmeister.

Wenn ich so auf mein Leben zurückschaue, dann hat’s mir ganz oft in die Suppe gespuckt und mir meine schönen Pläne verhagelt. Damit hab ich oft und lange gehadert. Schau ich mir aber gerade die harten Zeiten in meinem Leben an, die finsteren und schwierigen, dann ist es im Nachhinein eigentlich bei allen so, dass ich durch diesen Widerstand, durch das Schwierige gezwungen war, mein Leben anders zu leben. Das kannst du dir ein bisschen wie den Widerstand im Fitnesscenter vorstellen, wenn du ein fettes Gewicht hochstemmst – die Muskeln bauen sich ja nur auf, weil das so schwer ist.

Oder anders gesagt, ich wurde gezwungen, aus meinem Bekannten rauszugehen und musste neue Dinge lernen, kam dabei mit anderen Menschen in Kontakt. Meine Perspektive hat sich verändert. Das war oft brutal anstrengend, aber mindestens genauso oft auch total überraschend, und schön . Das kennst du bestimmt: Wenn du eine neue Erfahrung machst und dich auf einmal fragst, warum du das erst jetzt entdeckt hast.

So im Rückblick sind durch solche finsteren Zeiten Dinge in mein Leben gekommen, die ich heute auf keinen Fall mehr missen möchte. Ich hab Versionen von mir selbst entdeckt, von denen ich nichts wusste. Und Menschen kennengelernt, die enorm wichtig für mich und meine Entwicklung waren. Ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin, ohne diese Zeiten. Und diesen Podcast gäb’s ziemlich sicher auch nicht.

Aus dieser Metaperspektive, also aus einem weiteren Blick, der mehr miteinschließt als nur wie ich mich in einer konkreten Situation gerade fühle, sehe ich, wie wichtig und fruchtbar solche Zeiten sein können. Schmerz, Angst und Tränen gehören dazu, die gehen nicht einfach weg, weil ich jetzt die schlaue Erkenntnis habe, dass es ja „vielleicht für irgendwas gut ist“. Ich werde immer fühlen, was ich fühle.

Es macht allerdings einen Riesenunterschied aus, ob ich mich einer solchen Situation stelle – mit all dem Schmerz, der Angst, den Tränen und was sonst so dazugehört – oder ob ich in den Widerstand gehe, sie verdränge, Abkürzungen nehme, Dinge in anderer Leute Schuhe schiebe, mich als Opfer inszeniere statt Verantwortung für mich zu übernehmen. Also halt der Stoff, aus dem viel von der Kacke ist, die unsere Welt zu so einem schwierigen Ort macht.

Ich kann mich wie Maria Kolesnikowa dafür entscheiden, stattdessen Liebe, Freiheit und vielleicht ja auch ein bisschen Lebenslust in die Welt zu bringen. Sie hat das auf einer Pressekonferenz mit einem Satz zusammengefasst, der übrigens so ähnlich schon in der Bibel steht: „Liebe ist stärker als Angst.“ Sie hatte in ihrer Haft sicherlich genug Gelegenheiten, zu testen, ob das stimmt.

Denn wenn ich mit den Augen der Liebe sehe, dann sehe ich Möglichkeiten und Potenzial. Ich sehe Freiheit und ich bin im Mitgefühl. Und mehr als alles bin ich bei mir selbst, ich bin in meiner Mitte. Die Liebe gibt mir die Kraft, auf das Dunkel zuzugehen und selbst schwerste Zeiten zu durchleben.

Outro:

In ein paar Tagen ist Weihnachen und damit ist die Wintersonnwende gerade so vorbei. Das ist die finsterste Zeit im ganzen Jahr, und gleichzeitig auch die Zeit, in der Menschen auf der nördlichen Halbkugel schon seit vielen Tausend Jahren die Wiederkunft des Lichts feiern. Darum geht’s übrigens ja auch bei Weihnachten: das Licht kommt in die Welt. 

In diesen turbulenten Zeiten wünsch ich dir, dass du den Blick aufs Licht behalten kannst – und vielleicht ja auch den Mut oder sogar die Neugier findest, etwas tiefer ins Dunkel zu schauen. Falls du noch etwas Ermutigendes möchtest, empfehle ich dir paar meiner älteren Episoden, die dir vielleicht helfen, deinen Blick zu verändern. Alegria heißt ein Gedicht, in dem’s um diesen Tanz auf der Klippe geht, Das kleine Licht beschreibt diese Reise durch’s Dunkel und Der Weg ist eine Einladung, sich auf’s Unmögliche einzulassen. Die Episoden findest du überall, wo du Podcasts hörst, oder auf lachenderbach.de.

Jan, und mein Name ist Lachender Bach, ich bin Poet, Tänzer, Mystiker, Naturcoach und Menschenflüsterer. Ich bedanke mich fürs Zuhören, wünsch Dir frohe Weihnachten und – lass es fließen, im wilden Strom des Lebens.

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